Klassisches Konditionieren in Theorie und Praxis
Der Begriff „Klassisches Konditionieren“ kommt in der Psychologie immer wieder vor. Oft wird er als Erklärungsmodell für psychische Störungen herangezogen, sodass er einer ausführlichen Erläuterung bedarf.
Das klassische Konditionieren nach Pawlow
Das klassische Konditionieren geht auf Iwan Petrowitsch Pawlow zurück, der diese behavioristische Lerntheorie aufstellte. Das klassische Konditionieren gründet sich auf die Annahme, dass einem angeborenen unbedingten Reflex ein neuer bedingter Reflex hinzugefügt werden kann – durch Lernen! Durch einen Reiz wird ein unbedingter Reflex ausgelöst. Stellt man dann zu diesem Reiz einen weiteren (neutralen) Reiz zur Verfügung, kommt es zu einer Kopplung der Reize und der zweite, neutrale Reiz, kann selbst Auslöser des Reflexes/der Reaktion werden. Man nimmt an, dass manche Ängste und Zwangsstörungen mit dem klassischen Konditionieren behandelt werden können. Man spricht dann von Gegenkonditionierung.
Ein praktisches Beispiel für klassisches Konditionieren
Ein Beispiel für klassisches Konditionieren ist der pawlowsche Hund. Hier wurde einem Vierbeiner bei der Fütterung immer ein Glockenton vorgespielt. Nach mehrmaligem Wiederholen bildete der Hund allein schon mehr Speichel, wenn nur die Glocke ertönte. Der Glockenton wäre in diesem Fall des klassischen Konditionierens der neutrale Reiz, das Futter der unbedingte Reiz, der zu dem unbedingten Reflex (Speichelfluss) führt. Als Endergebnis führt die Koppelung von neutralem und unbedingtem Reiz bei Wiederholung zu einem unbedingten Reflex, selbst wenn nur der Glocktenton erklang. Natürlich lassen sich solche Programmierungen wieder rückgängig machen. Man spricht dann wie oben schon erwähnt von Gegenkonditionierung als Therapieform.
Gegenkonditionierung
Hier wird im klassischen Konditionieren der bedingte Reiz mit einem neuen unbedingten Reiz, der eine Gegenreaktion zum ersten hervorruft, gepaart. Bei obigem Beispiel müsste man den Glockenton so lange mit etwas anderem verbinden, bis beim Hund kein Speichelfluss mehr auftritt.